Liebe Patientin, lieber Patient,

liebe Besucherin, lieber Besucher dieser Website,

an dieser Stelle erlaube ich mir, auch einmal etwas zu schreiben, das nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Praxisarbeit steht. Es darf zum Nachdenken anregen.

   



Gedanken zur Zeit


24. Februar 2022 - eine Zäsur

Fassungslosigkeit - Traurigkeit


Das russische Regime unter dem ehemaligen KGB-Offizier Putin hat die Welt, die UN, die OSZE belogen - und das wiedeholt !

Aber war das nicht erwartbar?

Der Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks war eine Befreiung und ein Geschenk. Nur Putin und seine Vasallen haben das nie verstanden und wollen das nicht verstehen.

Seit Jahren geht das russische Regime mit brutaler Methodik gegen Oppositionelle im Inland und im Ausland vor, - und wenn man zu Gift greift.


Ich finde dieses Moskauer Regime seit Jahren widerlich und jetzt zeigt es der Welt das wahre Gesicht.

Rücksichtslosigkeit, Eiseskälte, Unmenschlichkeit.


Ja, ich bin fassungslos, traurig und wütend.

Die Worte Putins erinnern an Hitler und Goebbels, an Lenin, Stalin, Breshnew u. a. : Lügen, Lügen, Lügen, Verleumdungen, Verschwörungen. Auch das Lügenregime der ehemaligen DDR fungierte immer gut als Sprachrohr des kommunistischen Kremlregimes. So funktionierte der Kommunismus: Propaganda, Repression, Gewalt.

Dank der absoluten Misswirtschaft, des Aufbegehrens der Menschen und westlichen Drucks brachen die Ostblockregime zu-sammen. Nur in Moskau trauerten manche, vielleicht auch viele nach 70jähriger propagandistischer Hirnwäsche der glorreichen Sowjetunion hinterher. (Natürlich gab es diese Trauernden auch im Osten Deutschlands, verschwanden allerdings dankenswer-terweise in der Bedeutungslosigkeit. Vermeintlich Ahnungslose im Westen, aber auch ein ehemaliger Bundeskanzler, und Politi-kerinnen und Politker ostdeutscher Bundesländer mit abgeblich guten Beziehungen bescheinigten Moskau Demokratie – welcher Hohn!)


Warum schreibe ich das ?

Der Frieden und die Freiheit, über 30jährige friedliche erfolgreiche Entwicklung, Aufbau in Ostdeutschland, europäische Verständigung, Reisefreiheit, Gewährleistung von Grundrechten werden durch Putins "Militäroperationen", Putins brutalen Krieg mindestens bedroht. Und das geht uns alle an. Familiäres Glück, Schule und Bildung, Wissenschaft und Forschung, soziale Sicherung und hoher medizinischer Standard können nur im friedlichen Umfeld gedeihen.


Mit dem heutigen Tage sind lang geglaubte Sicherheiten und gegenseitige Garantien definitiv ins Wanken geraten, ja zerstört worden.


Denken wir an die Kinder, Frauen und Männer der Ukraine, die von einem verbrecherischen Despoten-Clan mit einem umfas-senden Angriffskrieg überzogen wird.


Persönliche, vermeintlich wichtige Belange, die bis gestern noch bedeutend erschienen, sollten zurückgestellt werden.


Schauen wir nicht weg ! Es geht uns alle an !

Es geht um unsere Freiheit und einen über 75jährigen Frieden in Europa !
Und das geht nur zusammen mit Nordamerika und Großbritannien,

von Kirkenes bis Faro, von Tallin bis Valletta !



Es tut mir leid, Ihnen an dieser Stelle  meine Sicht darzulegen. Aber: Hier stehe ich und kann nicht anders ! (M. Luther)



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Drohungen – Verleumdungen - Einschüchterungen

 

 

Die Drohgebärden des Kreml werden immer aggressiver.

In der vergangenen Woche (vor 13.3.2022) wurden die letzten kritisch berichtenden Medien Russlands zur Aufgabe gezwungen oder abgeschaltet.

Und auch freie Rundfunk- und Fernsehsender (ARD, ZDF, RAI, BBC, CNN etc.) ziehen ihre Journalistinnen und Jornalisten, Reporterinnen und Reporter zurück, fürchten sie um die Bestrafung mit Gefängnis bis zu 15 Jahren.

 

Nein, es ist nicht lustig !

Es sind die Drohgebärden von Putins Kremlregime, das nahtlos an die Zeiten Breshnews, Stalins und Lenins anschließt.

 

Durfte man in der Sowjetunion die Wahrheit sagen: „Im Prinzip ja, - aber nur einmal!“

 

Ich frage mich, wie der Kreml die hohen Verluste an Streitkräften (schon jetzt tausende junge Männer) der Bevölkerung verkauft. Werden die Getöteten verscharrt oder den betroffenen Familien als „Heldentoten“ präsentiert ?

 

Das System Putins ist durch und durch verlogen. Nur mit skrupellosen aggressiven In- und Auslandsgeheimdiensten kann man dieses System zusammenhalten. Das war in der Sowjetunion und in allen Ostblockstaaten so. Leisestes kritisches Anfragen wird schon als Hochverrat gewertet.

 

Was kann man tun ?

Das System kann nur an sich selbst zugrunde gehen. Das Regime kann ins Wanken geraten.

So traurig es ist: Die hohe Zahl Getöteter - eigener russischer Soldaten - könnte genug Anlass geben. Oder: nimmt die russische Bevölkerung die Opferzahlen von Putins Größenwahn einfach hin ? Die „Vereinigung der Soldatenmütter“ ist durchaus noch präsent, steht allerdings auch unter Repressiongefahr.

 

Als freie Bürgerinnen und Bürger im Westen, die frei unsere Meinung, unsere Empörung und unsere Überzeugung uneingeschränkt äußern dürfen, sollten wir jede Möglichkeit nutzen, diesem menschenverachtenden Regime zu zeigen, was wir von diesem halten: Das drückt sich in der Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung, mit den Flüchtenden und Geflüchteten, mit der Unterstützung hiesiger ukrainischer Hilfsvereine o. Ä. aus. Und vergessen wir auch nicht die Menschenrechtsorganisationen in Russland, wie die Soldatenmütter.

Wir trauern auch um die russichen Soldaten, die vielfach ahnungslos in diesen Krieg geschickt werden, die die sterben mit ihren Angehörigen und hoffen so sehr auf ein Aufwachen.


Und eins darf nicht passieren: Hass auf die russische Bevölkerung, Ausgrenzung russischer Bürger, die bei uns wohnen und unsere Nachbarn sind. Viele zeigen Scham für ihr Land, lehnen die Kreml-Despoten genauso ab. Sie verdienen genauso unsere Solidarität. Wir sollten sie bestärken, Informationen nach Russland zu transportieren.

 

Schauen wir nicht weg ! Verfolgen wir genau die Taten des Putin-Regimes !

Es ist schon oft gesagt worden: Es ist Putins Krieg ! Es ist kein Krieg der breiten russischen Bevölkerung !

 

Wir dürfen uns nicht einfach mit dieser Situation abfinden und meinen, dass sich die Lage wieder beruhigen wird und wir weiter ungestört unseren Alltagsaktivitäten unbeeindruckt nach einiger Zeit nachgehen werden !


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Der Krieg in der Ukraine geht in die 8. Woche. Tagtäglich flimmern die entsetzlichen Bilder in unsere Wohnzimmer. 6,5 Millionen Flüchtlinge im Binnenland und ca. 4 Millionen Flüchtlinge, die es nach Polen, in die Slowakai, nach Ungarn, Rumänien, Moldawien und u. a. nach Deutschland geschafft haben. Sie mussten Angehörige in der Ukraine zurücklassen, bangen um deren Schicksal.

Was können wir tun ?

Geben wir ihnen das Gefühl des Angenommenseins, echte Solidarität ist jetzt gefragt !

Ja, wir trauern mit ihnen, aber wir können durch unsere Hilfsbereitschaft und Solidarität zeigen: Ihr seid nicht allein !


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Im österreichischen "Der Standard" fand ich einen Gastkommentar des ehemaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer, den ich hier als Link einstelle. Er beleuchtet das langjährige absurde Gebaren des Kreml-Regimes und den daraus resultierenden verbrecherischen Irrweg.








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Was wir tun können ?


Wir dürfen uns nicht wehrlos und sprachlos machen lassen. Wir können sprechen und handeln.

Wir können die Verantwortung auf uns nehmen. Und das heißt: Wir können sprechend und handelnd eingreifen in diese sich zunehmend verrohende Welt.

Dazu braucht es nur Vertrauen in das, was uns Menschen auszeichnet: die Begabung zum Anfangen.

Wir können hinausgehen und etwas unterbrechen. Wir können neu geboren werden, indem wir uns ein-schalten in die Welt. Wir können das, was uns hinterlassen wurde, befragen, ob es gerecht genug war, wir können das, was uns gegeben ist, abklopfen, ob es taugt, ob es inklusiv und frei genug ist - oder nicht.

Wir können immer wieder anfangen, als Individuen, aber auch als Gesellschaft. Wir können die Verkrustungen wieder aufbrechen, die Strukturen, die uns beengen oder unterdrücken, auflösen, wir können austreten und miteinander suchen nach neuen, anderen Formen.

Wir können neu anfangen und die alten Geschichten weiterspinnen wie einen Faden Fesselrest, der heraushängt, wir können anknüpfen oder aufknüpfen, wir können verschiedene Geschichten zusammenweben und eine andere Erzählung erzählen, eine, die offener ist, leiser auch, eine, in der jede und jeder relevant ist.

Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut.


Carolin Emcke in "Der Andere Advent 2017/18"


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"Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Art. 1 Grundgesetz


Wie oft wird die Würde von Menschen auch in unserem Land angegriffen. Mitmenschlichkeit, gegenseitiges Verständnis, Hilfe für Schwächere sollten in unserer so reichen Gesellschaft eigentlich Selbstverständlichkeit sein. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Auswirkungen dieses rücksichtslosen Tuns in unserem Alltag muss ich fast täglich in meiner ärztlichen Arbeit erfahren. Da kommen Frauen, Männer, auch Jugendliche und Kinder, die unter mangelnder Zuneigung, mangelndem Verständnis, Arbeitsstress, enormem Zeit- und Leistungsdruck Versagens-ängste entwickeln, häufig niedergestimmt sind, keine Perspektive für sich sehen, wie sie diesem Druck standhalten.

Der maßlos überzogene Leistungsanspruch, Gewinnmaximierung und Kostenreduzierung in der Wirtschaft, in öffentlichen Verwaltungen, selbst in karitativen Einrichtungen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindergärten läßt nicht wenige Menschen verzweifeln. Viele reagieren mit körperlichen Symptomen und psychischen Störungen.

Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht an seinem ökonomischen Nutzen!

Die Börse ist nicht das Maß dieser Gesellschaft.

Das Hamsterrad, in dem sich viele Menschen mit immer schnellerer Geschwindigkeit drehen, ist kein geeigneter Ort, Zufriedenheit und Glück zu finden.

Die Auswirkungen auf eine Gesellschaft, die sich nur noch an der Wirtschaftskraft misst, sind katastrophal.

Die Kosten dafür tragen alle.


Deshalb habe ich mich dem

www.aufruf-zum-leben.de

angeschlossen

und diesen mit unterzeichnet.



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Die Gedanken sind frei

Ich denk´mir ein Haus aus Reimen und Noten,
wo keinem der Aus- und Eintritt verboten.
Die Türen steh´n offen für alle, die hoffen.
Wer will komm´ herbei, die Gedanken sind frei.

Ich denk´ mir ein Land mit tiefgrünen Wäldern,
mit sauberem Strand und kornschweren Feldern,
wo See, Fluss und Tümpel frei sind von Gerümpel,
von Stickstoff und Blei, wo Gedanken sind frei.

Ein Volk denk´ich mir, das nicht schon erblindet,
beim Geldzählen hier nur Seligkeit findet,
das Mut hat zum streiten, wo auch Minderheiten
sich finden dabei und Gedanken sind frei.

Ich denk´mir die Welt mit Tischen für jeden,
ein freundliches Zelt zum Essen und Reden,
kein Hunger, kein Schweigen, ein fröhlicher Reigen
und Menschlichkeit sei, und Gedanken sind frei.

Ich denk´mir ein Lied aus Güte und Klarheit,
das, wo es geschieht, im Anspruch auf Wahrheit
nicht hart und verbittert die Hirne vergittert,
das ohne Geschrei die Gedanken lässt frei.

  

Ingo Barz *1951 Ribnitz-Damgarten  (geschrieben Anfang der 1980er Jahre)